Studien zur Überlastung und Priorisierung sowie zur Öffnung von verrohrten Gewässern 2. Ordnung in den Verbandsgebieten ausgewählter Wasser- und Bodenverbände in Mecklenburg-Vorpommern

Verrohrungen von 23 % (7.145 km) der Gewässerstrecken 2. Ordnung in Mecklenburg-Vorpommern sorgen für gravierende wasserwirtschaftliche und ökologische Probleme. Neben spezifischen Eigenschaften der jungglazialen Landschaft ist vor allem die historisch gewachsene, starke landwirtschaftliche Ausrichtung hierfür verantwortlich. Meliorationsmaßnahmen (insbesondere Dränung) und der künstliche Anschluss von Binnenentwässerungsgebieten wurden daher verstärkt im 20. Jahrhundert vorgenommen und erfolgten spätestens ab dem Jahr 1970 planmäßig und systematisch. Viele Rohrleitungen sind mehr als 40 Jahre alt und stellen ein finanzielles Risiko für die Gewässerunterhaltung dar, da sie zunehmend baufällig werden. Für eine objektive Bewertung der Problemlagen auf Ebene von Rohrleitungshaltungen (quasihomogene Abschnitte von Rohrleitungen) wurde ein multikritieller/-faktorieller Bewertungsansatz als Entscheidungsunterstützungssystem konzipiert und für ausgewählte Wasser- und Bodenverbände und ihre Verbandsgewässer angewandt. Dabei standen insgesamt vier Handlungsoptionen im Fokus: Instandsetzung, hydraulische Kapazitätserweiterung, Öffnung von Rohrleitungen sowie Verschluss von Rohrleitungen. Gerade mit den Optionen „Öffnung“ und „Verschluss“ eröffnen sich Chancen für nach- und synergiehaltige Lösungsstrategien, da neben den möglichen Vorteilen im Sinne der EG-Wasserrahmenrichtlinie-Zielsetzung (EG-WRRL) vor allem auch die möglichen positiven Effekte für Naturschutz, Hochwasserschutz, Klima- und Bodenschutz, für einen nachhaltigen Landschaftswasserhaushalt sowie für eine klima- und biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft im Blickpunkt der Methodik stehen.

Für insgesamt drei Wasser- und Bodenverbände konnten die Studien über die WasserFöRL-MV durch EU-Mittel gefördert und durchgeführt werden.

Auftraggeber:
Wasser- und Bodenverbände „Warnow-Beke“, „Untere Warnow-Küste“, „Obere Peene“, „Wallensteingraben-Küste“ (vier separate Studien)


Zentrale Veröffentlichung:
MEHL, D., SCHÖNROCK, S., HOFFMANN, T. G., IWANOWSKI, J., BARTSCH, D., BARZ, R., GIELER, H., KAMINSKI, C., LARISCH, S. (†), SCHULZ, K., SIERKS, M. & TIEFMANN, A. (2023): Gewässerverrohrung in Mecklenburg-Vorpommern: Entscheidungsunterstützung für wasserwirtschaftlich und ökologisch begründete Handlungsoptionen. – Hydrologie und Wasserbewirtschaftung 67(6): 359-380.

Weitere News